UNTERWEISUNGEN

Das erleuchtete Wirken der Gyalwa Karmapas
Einführung

Der sechste Karmapa Thongwa Döndän (1416 - 1453)

Rintschen Sangpo Rigpä Raltri, einer der Hauptschüler des zweiten Shamarpa, wurde neben dem dritten Shamarpa der Hauptlehrer des sechsten Karmapa. Dieser wurde sehr bekannt für seine Praxis des Mahakala Tantras, durch die er in der Lage war, unsichtbare, teils sehr mächtige und übelwollende Wesen auf den Weg zu bringen. Er hinterließ sehr genaue Vorhersagen für die Zukunft der Welt und gab vor seinem Tod einen Brief mit den Einzelheiten seiner nächsten Wiedergeburt an den ersten Gyaltsab Rinpotsche, Päldschor Döndrub (1427 - 1489) weiter.

Der siebte Karmapa Tschödrag Gyamtso (1454 - 1506)

Von Gyaltsab Rinpotsche erhielt der siebte Karmapa, wie auch von Bengar Dschampäl Sangpo und dem zweiten Situ Taschi Namgyal (1450–1497), die wichtigsten Übertragungen der Linie. Er wurde besonders bekannt für seine vollkommene Verkörperung des Vinaya, d.h. für ein Verhalten das exemplarisch für einen Buddha ist, und widmete sein ganzes Leben dem Studium, der Lehre und dem Schreiben.

Wichtiger Schüler des siebten Karmapa wiederum wurde der vierte Shamarpa Tschökyi Drakpa (1453–1524), der auf die ausdrückliche Bitte der Minister von Zentraltibet für elf Jahre die Herrschaft des Landes übernahm, bevor er sich dann wieder ausschließlich seinen Aufgaben im Dharma widmen konnte. Der siebte Karmapa übergab einen Brief mit den Angaben seiner nächsten Geburt an den dritten Situ Taschi Namgyal (1498–1541).

Der achte Karmapa Mikyö Dordje (1507- 1554)

Tai Situ Rinpotsche fand und identifizierte die Inkarnation des achten Karmapa, aber starb unglücklicherweise, bevor er ihn inthronisieren konnte. Unter dem Druck einer reichen Familie wurde in Tsurphu der Sohn dieser Familie als Karmapa ernannt. Es gab einen Streit um die Anweisungen, die der letzte Karmapa hinterlassen hatte. Aber Mikyö Dordje, der echte achte Karmapa, entwickelte sich dennoch zu einem ausgezeichneten Gelehrten, Lehrer und Verfasser von Kommentaren. Er wurde bekannt als der erste unter den tibetischen Gelehrten Tibets, der einen vollständigen Überblick über sämtliche Lehren Buddhas hatte. Es gelang ihm, in jedem Bereich die Fehler, die sich in den Texten aller vier Schulen eingeschlichen hatten, zu entdecken und zu beheben. Allein aufgrund seiner außerordentlichen spirituellen Qualitäten und kraftvollen Präsenz überwand er die Anmaßung des falschen Karmapa, der ihm schließlich Krone und Thron übergab. Der erste Sangyä Nyänpa Taschi Päldschor (1457 - 1525) wurde der wichtigste Lehrer dieses Karmapa, während sich gleichzeitig der vierte Shamarpa weiter um die anderen wichtigen Angelegenheiten der Linie kümmerte.

Mikyö Dordje war zudem ein großer Künstler und setzte das Werk des siebten Karmapas fort, eine der spirituellen Übertragung der Kagyü Linie angemessene Form der bildlichen Darstellung von Buddhas, Lamas, Jidams und Schützern zu schaffen. Daraus entstand die Karma Gadri Kunstschule, die indische, tibetische und chinesische Elemente künstlerischer Darstellung in sich vereinigt.

Einmal sah der König der Provinz Jiang, nahe dem heutigen Burma, über dem Kopf des achten Karmapa die Krone der fünf Buddha-Familien. Er fragte, was es damit auf sich habe, und der Karmapa antwortete, dass dies ein Zeichen seiner Verwirklichung sei, und gab ihm die Erlaubnis, ein sichtbares Abbild dieser Krone herzustellen. So hat der Karmapa seither zwei Kronen, die er bei besonderen Anlässen trägt.

Der fünfte Shamarpa Köntschog Jänlag (1526 - 1583) begleitete schon ab dem Alter von zwei Jahren den Karmapa auf dessen Reisen. Er erhielt von ihm alle höheren Übertragungen bis er zwölf Jahre alt war und erhielt später dann als sein Regent alle persönlichen Gegenstände des Karmapa in Aufbewahrung sowie den Brief mit der Vorhersage der nächsten Wiedergeburt.