UNTERWEISUNGEN
Die ausführliche
Erklärung der einzelnen Emotionen
Eifersucht–Neid
Wir
haben uns bereits mit Unwissenheit, Begierde, Wut und Stolz befasst.
Jetzt wollen wir uns der Eifersucht zuwenden. Sie ist eine weitere
Mischung der uns bereits vertrauten Emotionen, eine spezielle
Kombination dessen, was wir im Grunde schon gesehen haben.
Ausschließlichkeit
Wenn
wir versuchen, Eifersucht zu definieren, können wir vielleicht
sagen: ein Gefühl von Feindseligkeit, das wir erleben, wenn
wir sehen, dass andere sich an etwas erfreuen, das wir auch gerne
hätten oder das wir ganz allein besitzen wollen." Eifersucht
ist der Wunsch, das zu haben, was der andere hat, sei es ein Objekt
oder eine Person, oder noch stärker der Wunsch, etwas ausschließlich
für sich zu haben, z.B. der Gedanke: Meine Frau, mein Mann,
meine Mama, mein Papa... gehört ganz allein mir." Eifersucht
tritt auf, wenn jemand daher kommt und sich etwas nimmt oder sich
an etwas erfreut, womit ich mich als mein" identifiziere.
In der Dharma-Terminologie beinhaltet das Wort Eifersucht auch
den Neid, es bezieht sich nicht nur auf Personen, sondern auf
alle Objekte unseres Begehrens.
Die
Furcht vor dem Verlust
Wir
könnten auch sagen, Eifersucht ist: eine innere Unruhe, die
zu Angst davor führt, einen Vorteil zu teilen oder diesen
Vorteil an jemanden anders zu verlieren". Sie könnte
auch definiert werden als die Angst, vom Glück ausgeschlossen
zu sein. Die Eifersucht ist also bereits vor dem Verlust da, allein
schon bei dem Gedanken an eine mögliche Einbuße des
Objektes oder der Person. Kaum male ich mir ein Szenario aus,
schon ist die Eifersucht da. Es spielt sich alles im Geist ab.
Ein Mann wird nicht erst eifersüchtig, wenn die Frau fremdgeht
(oder umgekehrt) die konkrete Situation enthüllt nur unsere
Tendenzen. Für Eifersucht braucht es den Glauben an ein wirklich
existentes Ich" und ein wirklich existentes Objekt, das für
dieses Ich von Bedeutung ist. Das Objekt der Eifersucht ist entweder
bereits ein wichtiger Bestandteil meiner Identifikation oder erscheint
mir als äußerst erstrebenswerte Erweiterung meines
Territoriums. Wenn mir dieses Objekt zu entgleiten droht oder
schwer zu erlangen ist, taucht Eifersucht auf. Alles in mir wird
eng, ich kann mich nicht mehr freuen und werde wütend.
Der
Mangel an Mitfreude
Aus
Dharmasicht würden wir Eifersucht vielleicht eher definieren
als: die Unfähigkeit, sich am Wohlergehen anderer zu erfreuen".
Dies beschreibt das Gefühl, was sich einstellt, wenn ich
andere sehe, die glücklich sind, und ihnen ihr Glück
neide. Mir wird ganz eng und ich kann mich nicht mitfreuen. Es
tut richtig weh, die Freude des anderen zu sehen, entweder, weil
sich der andere an etwas freut, das ich als meines" betrachte,
oder einfach die Tatsache, dass andere glücklich sind und
ich mich gerade nicht so fühlen kann. Manchmal fühle
ich mich dann ausgeschlossen. Es kann z.B. sein, dass bei mir
der Eindruck entsteht, zwei meiner Freunde verstünden sich
untereinander besser als mit mir und dann tut es weh, ihre Freude
zu sehen. Ich kann mich einfach nicht mitfreuen, weil ich mir
selbst zu sehr wünsche, dass ich an ihrer Stelle wäre.
Je mehr ich ihr Glück bemerke, desto mehr verschließe
ich mich. Ich möchte selbst der beste Freund dieser Person
sein, ich will sie nicht teilen oder aus dieser bevorzugten Beziehung
zurücktreten.
Das
ist ein tiefes Problem: ich leide nicht nur an der Freude anderer,
sondern obendrein auch noch an der Unfähigkeit, mich mit
ihnen zu freuen. Denn ich würde das ja gerne. Niemand hat
Lust, eifersüchtig zu sein. Ganz im Gegensatz zum Stolz ist
das überhaupt kein angenehmes Gefühl. Es frisst uns
innerlich auf, aber es gelingt uns nicht auszusteigen, so sehr
wir uns auch wünschen, uns zu öffnen. Der Eindruck,
nicht so glücklich wie die anderen sein zu können ist
zu stark; wir haben so sehr den Wunsch, genauso glücklich
wie sie sein zu wollen, dass wir einfach nicht locker lassen können.
Wir sitzen im Gefängnis und finden den Ausgang nicht. Der
Ausgang wäre die Mitfreude, aber genau das ist nicht möglich.
Abwertendes
Verhalten und Kritik
Jedes
Mal, wenn ich die Freude der anderen sehe, habe ich nur kritische
oder abwertende Gedanken: Ihre Freude ist in Wirklichkeit nichts,
das ist ja bloß oberflächliches Getue. Sie reden ja
doch nur die ganze Zeit schlecht über andere, usw."
Wir werten die Freude, die Zuneigung der anderen ab, um selber
nicht so sehr unter unserer Eifersucht leiden zu müssen.
Wir müssen ihr Glück abwerten, um nicht so neidisch
zu sein. Wie stark würde ich leiden, wenn ich wirklich wüsste,
wie glücklich sie sind, wie groß ihre
Freude ist! Deshalb kann ich nicht zugeben, dass ihre Liebe und
ihr Glück wirklich so groß und vielleicht sogar ohne
irgendwelche Hintergedanken sind.
Das
Schlimmste für einen Eifersüchtigen ist zu hören,
dass seine Frau den andern wirklich zutiefst liebt und dass sie
noch nie so glücklich war wie jetzt. Einen kleinen Seitensprung
kann ich ja noch durchgehen lassen, solange ich die Nummer eins
bleibe, aber das ist unerträglich. Die Gefahr, den
geliebten Menschen ganz zu verlieren, wird nun wirklich groß.
Es dämmert uns: Vielleicht ist sie (oder er) wirklich glücklicher
mit der anderen Person..."
Zerstörerische
Energie
Je
mehr wir der Freude, des Glückes der anderen gewahr werden
(oder auch für je größer wir sie halten), desto
mehr erleben wir das als eine Bedrohung, die wir aus der Welt
schaffen wollen. Wir fühlen den Wunsch, ihr Glück zerstören
zu wollen. Wenn uns das nicht möglich ist, werden wir versuchen,
die Person selbst zu zerstören. Das kann so weit gehen, dass
sich unsere eifersüchtige Wut sogar auf die Person oder das
Objekt unseres Anhaftens selbst richtet, nach der Logik: Wenn
ich mich nicht daran erfreuen kann, dann soll sich niemand daran
freuen!" In dieser entbrannten Eifersucht kann es dazu kommen,
dass wir dieses Objekt völlig zerstören. Das kann sogar
zu Mord führen. Ein enttäuschter Liebhaber wird seinen
Hass entweder auf den Rivalen richten oder aber auf die von beiden
'geliebte' Person, das Objekt ihres beidseitigen Anhaftens. Weil
ich diese ehemals geliebte Person nicht haben kann, zerstöre
ich sie oder ich vernichte den Menschen, den sie jetzt liebt,
damit sie keine Freude mehr an ihm haben kann und bestraft ist
für ihr Weggehen. Die innere Logik ist: Ich kann dich jetzt
nicht mehr lieben, weil du einen anderen liebst." Um mich
aus dieser leidvollen Unfähigkeit zu wahrer Liebe zu befreien,
möchte ich diese Person, die mir das so deutlich zeigt, aus
der Welt schaffen. Natürlich gibt es auch den Mord an beiden,
um jeden Hinweis auf diese unselige Beziehung aus der Welt zu
schaffen.
Diese
krassen Beispiele sollten uns nur den zugrundeliegenden Wunsch
veranschaulichen, das Glück der anderen zu zerstören,
ihnen die Freude zu stehlen und das Leben zu vergiften. Einmal
war ich Zeuge einer sehr bezeichnenden Szene: Jemand wollte eine
Blume aus dem Garten mitnehmen und in eine Vase stellen, aber
der Gärtner war dagegen. Die Blume war bereits abgeschnitten
und in dem Streit wurde die Blume schließlich zerrissen
und so konnte sich niemand daran freuen.
In
der Eifersucht finden wir entweder eine Fixierung auf den Rivalen
oder das rivalisierte Objekt. Es kommt dabei vor, dass wir überhaupt
nicht ärgerlich auf den Rivalen sind, sondern alle Schuld
unserem ehemaligen Liebhaber geben. Und ebenso passiert es, dass
sich alle Wut auf den Rivalen richtet und unser ehemaliger Liebhaber
aus unserer Sicht nichts damit zu tun hat. Und schlussendlich
können wir auch alle Schuld uns selber geben, bis hin zum
Selbstmord.
Schauen
wir uns noch ein bisschen genauer diese zerstörerische Energie
der Eifersucht an. Es ist eine Haltung, die mit Faulheit einher
geht. Ich bin zu faul, um die Ärmel hochzukrempeln und die
Anstrengung zu machen, die selben Qualitäten und Fähigkeiten
zu entwickeln wie die anderen. Ich mache es mir einfacher: Ich
benutze einfach die Kraft giftiger Worte und mache ihnen ihr Leben
madig. Ich spreche mit anderen schlecht über sie, mache ihre
Freundschaften kaputt und schaue, dass sie ihren Beruf, ihren
Lebenserwerb verlieren. Über Intrigen und üble Nachrede
schaffe ich es auch, dass sie ihren Partner verlieren und dass
ihr Ruf ruiniert ist. Ich bin so geschickt im Aufzeigen ihrer
Fehler, dass alle mir Glauben schenken. Das ist die Energie der
Eifersucht. Sie zerstört das Leben, die Lebensfreude der
anderen.
Das
erleben wir in persönlichen Beziehungen, aber auch im Wettkampf
von Unternehmen und ganzen Nationen. Diese zerstörerische
Energie, die dem anderen das Leben kaputt macht, kann so weit
gehen, dass wir es schließlich geschafft haben, dem anderen
seine Arbeit kaputt zu machen, seine Beziehung zum Mann bzw. zur
Frau zu zerstören, das Vertrauen seiner Kinder und aller
Freunde zu entziehen, bis dieser Mensch völlig geliefert
ist und keinen anderen Ausweg mehr weiß, als sich selbst
den Strick zu nehmen. Das ist die 'clevere' Art der Eifersucht.
Nicht ich selbst nehme den Strick, sondern ich werde schauen,
dass es für diesen Menschen keine einzige glückliche
Minute mehr auf diesem Planeten gibt, dass es nichts mehr gibt,
was ihm Freude macht. Bis er sich selbst den Todesschuss gibt.
Zwar geht es selten so weit, aber die Tendenz Wie mache ich dem
anderen das Leben kaputt?" gehört zum Grundmuster der
Eifersucht.