UNTERWEISUNGEN
Die ausführliche
Erklärung der einzelnen Emotionen
Die
Ursachen der Eifersucht
a Anhaften
Zu den Ursachen,
die zu Eifersucht führen, gehört also großes Anhaften
an Dingen, Personen und Fähigkeiten. Enttäuschung ist
auch ein wichtiger Faktor: unsere enttäuschten Anhaftungen
und Begierden; wir hatten den Gegenstand oder die Person bereits
in unserem Territorium, aber jetzt verlieren wir dieses Objekt.
Eine weitere Ursache ist das Haften an etwas, das außerhalb
unserer Reichweite liegt.
b Verletzter
Stolz
Auch verletzter Stolz
führt zu Eifersucht: Ich fühle mich eigentlich wohl,
ich bin stolz, werde aber in meinem Stolz angegriffen. Dieser
Angriff auf meinen Stolz, z.B. durch Kritik, Beleidigung oder
dergleichen, führt dazu, dass dieser Stolz sich mit Wut und
Aggressivität vermischt und als Eifersucht dazu führt,
den anderen zerstören zu wollen.
Im Stolz verletzt
zu werden bedeutet, in der Selbstliebe angegriffen zu werden.
Mit Selbstliebe ist hier nicht das gesunde Selbstwertgefühl
eines aufrechten Menschen gemeint, nicht der liebevolle, wohlwollende
Umgang mit uns selbst und unseren Schwächen, sondern Selbstliebe
bedeutet hier: Wir denken nur an uns selbst und halten uns für
den Mittelpunkt, die wichtigste Person der Welt, alles muss sich
um uns drehen. Wenn andere diese Wertschätzung von uns nicht
teilen und das durch Kritik zum Ausdruck bringen oder dadurch,
dass sie uns etwas wegnehmen, dann ärgern wir uns sofort,
denn wir sind für die anderen ganz offensichtlich nicht der
Mittelpunkt der Welt. Das ist bereits der Beginn der Eifersucht.
Wir versuchen unbewusst, anderen klar zu machen, dass wir eigentlich
der Mittelpunkt der Welt zu sein haben. Das ist die eigentliche
Energie der Eifersucht. Wir vergleichen zwischen dem, wie wir
uns einschätzen, und dem, wie andere uns einschätzen.
Und die schätzen uns leider nicht hoch genug ein.
Verletzter Stolz
geht mit dem Gefühl von Demütigung einher und oft nährt
sich Eifersucht auch aus dem Gefühl, ungerecht behandelt
zu werden. Dieses Gefühl von Ungerechtigkeit uns gegenüber
ist eine Projektion der Eifersucht, es ist ein Gefühl, Opfer
ungerechter Behandlung zu sein. In diesem Gefühl, ungerecht
behandelt zu werden, können wir uns nicht mehr am Wohlergehen
der anderen freuen. Weil wir nicht das bekommen, was uns unserer
Meinung nach zusteht, ist es völlig ausgeschlossen, dass
wir uns am Wohlergehen der bevorzugten Anderen freuen können.
c Armutsgefühl
(Mangel)
Hinter Neid und Eifersucht
steckt das Gefühl, etwas entbehren zu müssen, ein Gefühl
dass uns etwas fehlt, ein Manko, Defizit oder Leerheitsgefühl.
Wir haben das Gefühl, dass wir etwas verlieren, etwas verloren
haben oder nicht bekommen können. Eifersucht ist immer darauf
aus, dieses Gefühl der Leere und des Mangels in uns, zu beheben.
Wenn wir keinen Mangel erleben, weil wir uns reich, komplett und
rund fühlen, dann entsteht auch keine Eifersucht.
d Enttäuschung
Wir können auch
persönliche Enttäuschung als eine Ursache der Eifersucht
ansehen. Wir haben uns in einer Freundschaft, in einem Projekt,
in einem Unternehmen egal welcher Art engagiert und diese Freundschaft,
dieses Unternehmen, geht nicht mehr weiter und bricht auseinander.
Wir sind sehr enttäuscht, weil wir viel Energie hineingesteckt
haben. Und aus unserer Enttäuschung heraus wünschen
wir, dass diejenigen, die evtl. weiter an dem Projekt arbeiten
und für die Enttäuschung schuldig zu sein scheinen,
auch diese Enttäuschung in ihrem Leben erfahren. Wir möchten,
dass unsere Enttäuschung durch die Enttäuschung der
anderen wettgemacht wird und achten eifersüchtig darauf,
dass die anderen nicht glücklich werden.
e Persönliche
Interessen
Eifersucht entsteht
immer dann, wenn unsere persönlichen Interessen berührt
sind. Wenn wir keine persönlichen Interessen haben, dann
kann keine Eifersucht entstehen, denn wenn unser Anliegen das
Wohl aller Wesen ist, dann sind nie persönliche Interessen
berührt. Dann können wir uns überall mitfreuen,
wo Freude entsteht, weil unser Anliegen die Freude und das Wohl
aller Wesen ist. Selbstliebe und persönliche Interessen produzieren
Eifersucht, und das Interesse am Wohlergehen aller löst Eifersucht
auf und macht sie unmöglich.
Eifersucht:
die Verbindung von Stolz, Begierde und Wut
Wir sehen, dass Eifersucht
ohne Ärger und Wut nicht bestehen kann. Abneigung ist stets
ein Bestandteil von Eifersucht. Deswegen wird im Abhidharma Eifersucht
als eine sekundäre Emotion klassifiziert, als Unterrubrik
von Wut und Ärger. Es ist eine spezielle Kombination von
Wut mit Stolz und Begierde. Diese spezielle Kombination führt
zu Eifersucht.
Die Brille
der Eifersucht
Mit der Eifersucht
geht immer ein Verdacht einher, was die anderen wohl von mir Schlechtes
denken können. Ich unterstelle ihnen, dass sie mir gegenüber
eifersüchtig handeln und denke, dass ihr eigentliches Anliegen
ist, besser zu sein als ich. Wenn ich etwas Gutes getan habe,
habe ich das Gefühl, alle anderen seien eifersüchtig
auf mich. Ich trage die Brille der Eifersucht und sehe deshalb
überall Eifersucht, ohne meine eigene zu sehen. Ich denke
von den anderen so wie es ganz natürlich und unbemerkt
bei mir der Fall ist dass sie ständig die Handlungen der
anderen bewerten und mit sich vergleichen. Es fällt mir gar
nicht auf, dass ich selber eifersüchtig bin und ständig
meine, nicht gut genug zu sein, nicht genug zu haben usw. Mir
erscheint es statt dessen ständig so, als würden die
anderen immer, wenn ich etwas tue, eifersüchtig werden. Zudem
habe ich das Gefühl, die anderen seien immerzu dabei, gegen
mich zu intrigieren, mir mein Glück zu rauben und meine Freude
zu untergraben. Das sind die Projektionen der Eifersucht. Ich
lebe in ständiger Angst vor den eifersüchtigen Blicken
und Handlungen anderer.
Es wird mir ganz
unangenehm zu Mute, wenn ich sehe, dass zwei Personen sich ohne
mich unterhalten, weil ich nicht die Kontrolle darüber habe,
was sie sagen. Ich bin sind überzeugt, dass sie über
mich sprechen, und habe Angst, dass sie vielleicht schlecht über
mich sprechen. Ich kann mich nicht daran freuen, dass sie sich
angeregt unterhalten und dass es ihnen vielleicht sogar gut geht.
Eifersucht missgönnt
anderen ihre freie Unterhaltung, ihre kleinen Freuden, ihre gemeinsamen
Parties, was auch immer. Nach einem Fest, auf dem sich zwei meiner
Bekannten ohne mich unterhalten haben, schaue ich argwöhnisch:
Hat sich ihr Blick verändert? Begegnen sie mir anders als
vorher? Ich bin ständig fürs Schlimmste gewappnet, denn
vielleicht ist etwas gegen mich gesagt worden oder gegen mich
in die Wege geleitet worden. Zu meinen, immer auf der Hut sein
zu müssen, das ist die Bürde der Eifersucht.
Eifersucht führt
soweit, dass wir jemandem, dem wir auf dem Gang begegnen, nicht
mehr in die Augen schauen können. Wir können ihm nicht
mehr offen begegnen, weil wir selber voller Eifersucht und Negativität
stecken dem anderen gegenüber und vermuten, dass der andere
ebenso negativ uns gegenüber eingestellt ist. Wir wagen gar
nicht, in die Augen des anderen zu schauen. Es geht so weit, dass
wir uns völlig verschließen und mit niemandem mehr
offen sein können, weil uns dieses Gift der Eifersucht, des
Neides, von innen her auffrisst. Tag um Tag, Woche um Woche, Monat
um Monat frisst es sich durch die Eingeweide und breitet sich
überall aus, bis wir in Bitterkeit versinken. Wir nisten
uns in einer bitteren Welt ein, voller Mißtrauen anderen
gegenüber und ohne Freude. Wir schaffen es nicht mehr, auch
nur kleine Momente der Freude zuzulassen. Wir sind ständig
im Streit, im Wettkampf, in Auseinandersetzungen mit anderen,
in Kritik und Selbstkritik. Dazu kommen Schuldgefühle, weil
wir so negativ eingestellt sind usw., das Leben wird unerträglich.
Die Heilmittel
der Eifersucht
Die Qualitäten,
die uns helfen, Eifersucht aufzulösen, sind Offenheit, Ehrlichkeit
und Direktheit in unseren Beziehungen: direkt auszusprechen, wenn
uns etwas zu Herzen geht, wenn uns etwas trifft, wenn wir Zweifel
haben; herausrücken damit und nicht für uns behalten;
einen Geist der Zusammenarbeit entwickeln, sich kooperativ verhalten,
anderen Vertrauen schenken und sich selbst Vertrauen geben; in
jeder Hinsicht Vertrauen zu stärken und versuchen, Vertrauen,
das erschüttert ist, unverzüglich wiederherzustellen.
Und das Hauptheilmittel ist natürlich: sich mitzufreuen,
wenn es anderen gutgeht, und die Freude und das Glück anderer
zum Hauptanliegen in unserem Leben zu machen.
Frage: Wenn ich
richtig verstehe, dann brauchen wir die einzelne Emotion nicht
zu analysieren: warum ist sie da? woher kommt sie? was soll ich
jetzt tun?
Ja, diese Erklärungen zu den
Mechanismen der Emotionen sollen uns nicht tiefer in eine intellektuelle
Analyse verwickeln. Eigentlich brauche ich mich nicht damit zu
beschäftigen, welche karmischen Einflüsse meiner Kindheit
jetzt dazu führen, dass ich so oder so reagiere. Das kann
zwar gelegentlich hilfreich sein, ist aber nicht Ziel der Unterweisungen.
Hier geht es darum zu schauen, was jetzt in meinem Geist abläuft,
einfach das Kreisen in immer wieder den gleichen emotionalen Mustern
wahrzunehmen und herauszufinden, wo ich jetzt gerade einen Schnitt
machen und loslassen kann. Um das gegenwärtige Anhaften loszulassen,
brauche ich keine komplette Analyse meiner Persönlichkeit
auszuführen; die Einzelheiten des Warum bin ich so und nicht
anders?" sind nicht so wichtig. Im Grunde reicht es aus zu
bemerken: Ich bin angespannt. Wo kann ich loslassen? Dafür
brauche ich ein gewisses Grundverständnis, wie Samsara funktioniert,
wie Haften zu Anspannung und Leid führt. Wenn ich das verstehe,
weiß ich, wo ich loslassen kann.