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Die ausführliche Erklärung der einzelnen Emotionen
Als Beispiel für dieses Empfangen von Segen kann uns die Dordje Sempa Praxis dienen. Wenn wir uns die Phasen der Praxis genauer anschauen, sehen wir die verschiedenen Etappen des Auflösens der Mauer unseres Ichanhaftens. Bei der Praxis stellen wir uns vor, dass Buddha Dordje Sempa, völlig weiß, leuchtend, transparent und strahlend über unserem Kopf weilt. In seinem Herzen ist die Silbe Hung umgeben vom Kreis des hundertsilbigen Mantras. Durch unsere Mantrarezitation beginnt sich das Mantra in seinem Herzen zu drehen und die zentrale Keimsilbe wie auch der umgebende Silbenkreis leuchten immer stärker. Ihr Licht kondensiert zu einem Nektar, der den Körper von Dordje Sempa völlig ausfüllt. Dieser Nektar strömt aus seiner rechten großen Zehe, tritt durch unseren Scheitel ein und füllt uns vollständig. Dieser Prozess schafft eine Verbindung zwischen uns, die wir das Mantra rezitieren und unserer Buddhanatur: Ich, in meinem unreinen Zustand, rezitiere dieses Mantra und verbinde mich dabei mit dem reinen Bewusstsein, das durch Dordje Sempa symbolisiert wird. Ich wende mich an die reine Dimension, die im Moment noch getrennt von mir ist. Durch die Rezitation wird diese reine Dimension stimuliert und beginnt zu reagieren; sie beginnt sozusagen, mit mir Kontakt aufzunehmen. Sie ist also bereits nicht mehr völlig getrennt von mir. Es gibt einen Austausch durch den herabfließenden Nektar. Aufgrund unseres Gebetes fließt der Nektar reinen Gewahrseins, der aus dem letztendlichen Erleuchtungsgeist entspringt, in uns hinein und reinigt uns von aller Negativität. Er treibt alles Negative, alle Schleier, alles Haften in Form einer schwarzen Flüssigkeit nach unten aus uns heraus. Dies erscheint wie ein dualistischer Prozess: das Gute vertreibt das Schlechte, das Reine ersetzt das Unreine. Wir benutzen diesen scheinbar dualistischen Prozess, weil es uns aufgrund unserer Identifikationen so schwer fällt, unsere Negativität loszulassen. Diese Visualisation des Gehenlassens der Unreinheiten, sie fallen zu lassen, ist Spiegel dessen, was sich im Geist abspielen muss. Wir müssen die Identifikation mit den negativen Seiten unseres Wesens loslassen, um der Reinheit unseres Bewusstseins gewahr zu werden. Damit uns dies leichter fällt, visualisieren wir diesen Prozess der Reinigung durch den Bodhicitta-Nektar, der unseren gewöhnlichen Zustand durchdringt. Und es geht noch weiter: Der schwarze Sud unserer Negativität wird aufgesogen von dem, was die goldene Basis des Universums genannt wird – und diese goldene Basis ist nichts anderes als der Raum, der alle Phänomene durchdringt, die Basis und Quelle aller Phänomene. Die Negativität, die wir so mühsam losgelassen haben, löst sich also im ursprünglichen Gewahrsein auf. An diesem Punkt mögen wir verstehen, dass diese Negativität, die uns so wirklich, solide und schwer vorkam, keinerlei Bestand mehr hat, wenn es kein Anhaften mehr gibt. Der Moment, in dem der schwarze Sud unseren Körper verlässt, ist der Moment des Loslassens, des Aufgebens der Identifikation – von daher hat diese Negativität keinerlei Wirklichkeit mehr. Wir werden gewahr, dass dieses Loslassen wie auch das, was wir loslassen, illusorisch sind. Die Negativität selbst, mit der wir uns so herumgeschlagen haben, entpuppt sich als illusorisch. Sie wird losgelassen, weil der Erleuchtungsgeist unseren Geistesstrom durchdringt und keinen Platz lässt für solche Identifikationen mit einem „Ich" und dessen Negativität, Schleiern und Schuldgefühlen. Wenn Bodhicitta im Geistesstrom hervorkommt, sind wir Bodhicitta. Es gibt keine Trennung mehr, wir sind Weisheit, wir sind erleuchtetes Mitgefühl. Wie sollten unsere Identifikationen da noch eine Chance haben? Nach dem Prozess des Auflösens der Identifikation mit der Negativität schließen sich die Poren und Öffnungen unseres Körpers und der ganze Körper wird zu einem reinen Behälter für den Bodhicitta-Nektar. er füllt uns völlig auf, wir werden zu Bodhicitta, zu allen erleuchteten Qualitäten. Es gibt nicht nur kein „Ich" und „mein" mehr, sondern es gibt so viel Bodhicitta, dass es überfließt, als Zeichen der Dankbarkeit den Fuß von Lama Dordje Sempa berührt und uns völlig in Bodhicitta einhüllt. Wir können in dieser Segenshülle nicht mehr feststellen, wo das „Ich" anfängt oder aufhört. Alles wird vom Segensstrom des erleuchteten Bewusstseins durchdrungen und das Körpergefühl löst sich auf. Es bleibt nur diese Leuchtkraft, dieser Bodhicitta-Ozean, der alle Wesen umschließt und durchdringt. Zum Schluss sagt Lama Dordje Sempa symbolisch: „Gewiss, mein Sohn, meine Tochter, alle Negativität ist jetzt gereinigt", und er löst sich in Licht auf und verschmilzt mit uns. Buddha Dordje Sempa und der eigene Geist werden untrennbar. Das ist Ausdruck der uranfänglichen Untrennbarkeit unseres reinen, höchsten Gewahrseins und unseres Bewusstseins auf relativer Ebene. Relatives und Letztendliches sind nicht zwei getrennte Dinge, sondern zwei Aspekte von ein und derselben Wirklichkeit. Wir haben uns zu Anfang der Meditation einen Buddha über auf unserem Kopf visualisiert und dieser schien getrennt von uns zu sein, denn– unbeholfen wie wir sind – bedienten wir uns des Prozesses dualistischer Projektion. Jetzt aber wird deutlich, dass es da nie eine Trennung gab. Die Illusion der Trennung ist aufgehoben – und in diesem Zustand des Mahamudra weilen wir für eine kleine Weile. Dann widmen wir die Praxis. Wir beginnen diese Praxis also mit einer starken Motivation, einem Gebet, das den Erleuchtungsgeist stimuliert. Wir wenden uns an diese reine Dimension, die uns im Moment noch getrennt vorkommt. Aufgrund unserer aufrichtigen Bitte entsteht eine Öffnung, der Segen kann eintreten und es wird notwendig, uns noch weiter zu öffnen, noch weiter loszulassen bis das, was zunächst getrennt erschien, sich in seiner Einheit zeigen kann. Dies ist der Prozess der Reinigung unserer Schleier: aus der Trennung in die Einheit mit dem Erleuchtungsgeist zu finden. Alle Praktiken beabsichtigen dies: alles Trennende, alle Identifikationen fallen zu lassen und den Raum der Einheit sich auftun zu lassen. Wo es dieses reine Bewusstsein gibt, gibt es keine Schuldgefühle mehr. Der Schlüssel, um Schuldgefühle zu überwinden, ist zuzugeben, dass es auch die Reinheit in uns gibt. Natürlich müssen wir auch mit all dem arbeiten, was dazu geführt hat, Schuldgefühle zu haben. Wir müssen die vier Kräfte zur Anwendung bringen: Da, wo wir tatsächlich schuldig geworden sind, müssen wir dies erkennen und zutiefst bereuen. Wir müssen uns entschließen, uns nicht mehr so zu verhalten. Wir müssen uns, um diesen Entschluss auch wirklich umzusetzen, auf die Kraft und Zuflucht von Bodhicitta stützen und schließlich sollten wir die Gegenmittel anwenden, die mit allen verbleibenden Identifikationen aufräumen und positive Kraft freisetzen. Damit lösen sich die Schuldgefühle auf. Das Ausführen der Dordje Sempa Praxis oder der Tschenresi Praxis sind dabei äußerst hilfreich. Sie befreien uns aus der gewöhnlichen, ichbezogenen Sichtweise und von diesem großen Hindernis, sich einzureden: „Ich bin zu schlecht, ich bin zu unrein, ich darf mich nicht einmal mehr in der Welt sehen lassen!" Aus solchen abwertenden Identifikationen finden wir heraus, indem wir den Dharma wie eben beschrieben praktizieren.
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