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Erklärung von DHAGPO KAGYÜ LING, dem Sitz des Gyalwa Karmapa in Europa, zur Anerkennung des siebzehnten Gyalwa Karmapa Trinle Thaye Dordje Geistiges Oberhaupt der Kamtsang-Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus
Da sich im Bewusstsein der praktizierenden Buddhisten Verwirrung bezüglich der Existenz von zwei Karmapas einstellen kann, möchten Dhagpo Kagyü Ling und die dem Karmapa Trinle Thaye Dordje verbundenen Zentren einen klaren Standpunkt beziehen. Die Situation innerhalb der Kamtsang-Kagyü-Schule hat sich in den letzten Jahren aufgrund der Kontroverse um die Anerkennung des siebzehnten Karmapa verändert. Grundsätzlich ist dazu zu bemerken, dass wir keinerlei Diskriminierung zwischen praktizierenden Buddhisten vornehmen. Wir folgen darin dem Beispiel von Gendün Rinpoche, der vom sechzehnten Karmapa als Meditationsmeister auserwählt wurde, den Dharma in Europa einzuführen, und haben somit nie den Wunsch gehabt, Polemik im Zusammenhang mit Karmapa zu fördern. Wir folgen der klaren Ausrichtung von Gendün Rinpoche, der allerseits als Meister von großer Weisheit anerkannt wird. Als Gendün Rinpoche zum ersten Mal Trinle Thaye Dordje auf einem Foto sah, hat er in ihm ohne jeden Zweifel die authentische Wiedergeburt des Buddha Karmapa erkannt. Anschließend stellte er das Foto in seinen Altar und veranlasste das gleiche für alle Altäre in Kundröl Ling. Zum tibetischen Neujahr 1994 verbeugte sich Gendün Rinpoche im Tempel von Le Bost in Anwesenheit der Sangha drei Mal vor dem Foto von Karmapa Trinle Thaye Dordje. 1996 bat er schließlich eine Gruppe von Lamas nach Indien zu reisen, um in seinem eigenen Namen Dhagpo Kagyü Ling, Dhagpo Kündröl Ling und alle anderen Zentren und Klöster, die er in Europa gegründet hat, Trinle Thaye Dordje zu übergeben. Daraufhin hat der Karmapa schriftlich eingewilligt, das Werk seines Vorgängers als Oberhaupt des Mandalas weiterzuführen. Gendün Rinpoche hat stets für Toleranz und Friedlichkeit innerhalb der Tradition geworben. Dabei unterstrich er, dass die Schüler sich hauptsächlich um ihre Praxis bemühen sollten, die zur Entdeckung des letztendlichen Lamas in sich selbst führt. Er hat auch immer wieder betont, dass der Karmapa sich selbst erkennt, wie es bei Trinle Thaye Dordje der Fall ist. Sobald Trinle Thaye Dordje sprechen konnte, äußerte er wiederholt: "Ich bin der Karmapa" 1994 war auch das Jahr, in dem Shamar Rinpoche, vom sechzehnten Karmapa als der höchstrangige Lama der Tradition anerkannt, Trinle Thaye Dordje in Neu-Delhi feierlich zum siebzehnten Karmapa erklärte. Schon immer haben die Karmapas die Realisierung der Shamarpas als mit der ihren gleichrangig anerkannt. Der sechzehnte Karmapa hatte Gendün Rinpoche vorausgesagt: "Nach dir wird dein Werk und deine Tätigkeit von Shamar Rinpoche fortgeführt werden". Deshalb war Gendün Rinpoche schon vor langer Zeit mit der Bitte an Shamar Rinpoche herangetreten, die Zentren, für die er verantwortlich war, zu betreuen. Als er seinen Tod nahe kommen sah, wiederholte er diese Bitte, die von Shamar Rinpoche angenommen wurde. Im April 2000 fand der Karmapa Thaye Dordje für die Praktizierenden folgende Worte zu ihrer Beruhigung bezüglich der Lage in der Kamtsang-Kagyü-Schule: " Ob es eine oder mehrere Gemeinschaften gibt, ist nicht die eigentliche Frage. Was wichtig ist, ist, dass jeder in den Genuss des Dharma kommen kann, und dafür ist ausschlaggebend, dass die Lehre der Kagyü-Tradition authentisch bewahrt und weitergegeben wird. Die, die kein ausreichendes Verständnis des Dharma besitzen, fassen die Dinge als Spaltung auf, als wäre die Kagyüpa-Schule eine Institution. Für einen wahren Praktizierenden des Dharma gibt es nichts außer dem Dharma." Seine Heiligkeit der Dalai Lama führte im September 2000 seine Sicht in der Frage der zwei Karmapas aus, und zwar bei einer Audienz, die einer ausgewählten Delegation des Bundes des Tibetischen Buddhismus gewährt wurde. Es waren die Vertreter der vier Schulen zugegen, die in spirituellen Fragen unabhängig sind, sowie der Privatsekretär und die Vertreterin Seiner Heiligkeit des Dalai Lama in Frankreich. Es folgt ein Auszug aus dem Protokoll dieser Audienz (zunächst von Mathieu Ricard ins Französische übersetzt): " ( ) Hier stellt sich nun die wichtige Frage, zu der wir alle Ihre Heiligkeit um Klärung bitten möchten, nämlich die Frage, was es mit der Existenz von zwei Inkarnationen des Karmapa auf sich hat ( ). Seine Heiligkeit antwortet, dass diese Frage zwei Aspekte anspricht: einerseits den der buddhistischen Praxis, die von keinem einzigen der Zentren angezweifelt wird; andererseits den Aspekt der Anerkennung einer Inkarnation, in der es jedem freisteht, seine eigene Wahl zu treffen. ( )" Wir sind erfreut, dass der tolerante Standpunkt, den Seine Heiligkeit der Dalai Lama einnimmt, mit der vom Dhagpo-Mandala befürworteten Toleranz im Einklang steht. Wir wünschen aufrichtig, dass alle praktizierenden Buddhisten mit den Meistern, die sie inspirieren, auf dem spirituellen Weg vorwärts schreiten mögen. Die Lamas von Dhagpo Kagyü Ling und die mit Karmapa Thaye Dordje verbundenen Zentren, auf Basis der Informationen von Lama Yeshe Nyinpo und Lama Tsony Djoungne, Übersetzer von Gendün Rinpoche. |